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29. März 2017 / Katja

Laufbericht: 30. Kieler Hochbrückenlauf  (= Marathontraining #36)


Es klingt fast ein bisschen zu schön, um wahr zu sein, aber nach einer eher mäßigen Trainingswoche konnte ich am Sonntag das Ruder noch mal rumreißen und einen super Wochenabschluss hinlegen!

Aber wie immer ging es erst mal schleppend los… Wir waren zwar naturgemäß zeitig wach, aber irgendwie habe ich deutlich zu lange rumgetrödelt. Da ich schon bei den (wenigen) vorangehenden Läufen eine ziemlich angespannte Gesäßmuskulatur hatte, ging es vorsichtshalber noch mal kurz auf die Blackroll – eher für den Kopf, als dass es wirklich etwas gebracht hätte, denke ich. Aber egal…

Da ich also nicht aus dem Quark kam, trafen wir reichlich spät am Ort des Geschehens ein, um uns unsere Startunterlagen für den 30. Kieler Hochbrückenlauf abzuholen. Das hieß natürlich: Schlange stehen! Aber es ging wirklich sehr fix, so dass ich pünktlich um 9:45 Uhr erst mal den Mann auf die Kurzstrecke schicken konnte. „Kurz“ heißt beim Hochbrückenlauf allerdings auch schon 16,5 km. 😉

Um 10:00 Uhr ging es dann auch für diejenigen los, die sich die lange Strecke von 30 km vornehmen wollten. Die Strecke, die normalerweise 28,5 km beträgt, wurde diesmal anlässlich des 30. Jubiläums des Hochbrückenlaufes entsprechend erweitert. Während ich mich noch fragte, welcher Idiot mich eigentlich für diesen Lauf angemeldet hatte, und in Erwägung zog, lieber am Bambini-Lauf (800 m…) teilzunehmen, ertönte auch schon der Startschuss. Moment… „ertönte“ wirklich ein Startschuss? Ich weiß es nicht mehr… auf jeden Fall ging es los und das Läuferfeld setzte sich langsam in Bewegung. Ziemlich langsam…. schwerfällig und schleppend… Möglichkeiten zum Überholen gab es für eine lange Zeit tatsächlich kaum, aber das fand ich recht gut, denn so kam ich gar nicht erst in Versuchung, zu schnell loszulaufen. Also trottete ich die ersten zwei Kilometer mit einer Pace von gut um die 6:30 min/km im Pulk mit.

Da ich eine solch lange Strecke a) bisher nur wenige Male und b) in einem Wettkampf noch nie gelaufen war, war meine Strategie denkbar einfach: Mal gucken, wie es läuft. 😉 Das kleine, meiner Meinung nach sicher zu erreichende Ziel, das ich mir gesetzt hatte, war es, auf jeden Fall unter 3 Std. ins Ziel zu kommen. DAS musste drin sein! Das größere Ziel, bei dem ich mir mangels Erfahrung weniger sicher war, war es, die 30 km mit einer Pace von ca. 5:40 min/km (= Marathonrenntempo für <4:00 Std.) zu laufen.

Aber nun wieder zurück zum Renngeschehen. 😉 Ihr wisst nun also, was ich mir vorgenommen hatte… aber wie sah es mit der Umsetzung aus? Der Start verlief, wie gesagt, planmäßig. Bloß nicht zu schnell, die verlorenen Sekunden… oder besser Minuten… würde ich auf jeden Fall wieder rausholen. Den 6:00 min-Pacemaker und sein Läufergrüppchen ließ ich schon recht zeitig erst mal hinter mir. (Ich bin mir gerade nicht mehr sicher, ob die Pacemaker die Zielzeit – also hier natürlich 3:00 Std. – oder tatsächlich die PACE auf dem Rücken trugen… hmm…) Als sich das Läuferfeld dann endlich etwas auseinander zog, wurde ich langsam schneller. Also, nicht zuuu schnell, aber ich pendelte mich für eine lange Zeit dann irgendwann im Bereich einer Pace von 5:00 – 5:30 min/km ein. Ausgehend von einer 6:00 min-Pace sah ich auf der Uhr, wie ich Kilometer für Kilometer weitere Sekunden auf die Zielzeit von 3:00 Std. rausholte, die sich zu Minuten summierten. 🙂

Ich war mehr als überrascht, dass es in dieser Geschwindigkeit doch so gut lief und ich keine Probleme bekam. Ich würde fast behaupten, dass zumindest 2/3 des Laufes meinem Empfinden nach durchaus als „locker“ bezeichnet werden können.

Mit jedem weiteren Kilometer auf der Uhr wurde es natürlich ein wenig anstrengender, und irgendwann stellte ich mir die berechtigte Frage „Ist das nun dieses Runner’s High oder kippe ich einfach nur gleich aus den Latschen?“ Wir werden es wohl nie erfahren, aber da es mir auch nach dem Lauf sehr gut ging, tippe ich einfach mal auf Ersteres. 😉

Ein bisschen Respekt hatte ich dann ehrlich gesagt davor, nach etwa der Hälfte der Strecke den 5:50 min-Pacemaker nebst recht umfangreichem Anhang zu überholen. (Gleiches Problem wie oben… stand da nun 5:50 min oder 2:50 Std. auf der Weste? Ich tippe auf die Pace…) Wäre ja schließlich peinlich, wenn die mich alle vor dem Ziel wieder einkassierten, oder? Äh ja… an dieser Stelle ist es jetzt wohl Zeit für eine abgedroschene Phrase à la „No risk, no fun!“. Also schnell mit ein paar anderen Läufern vorbei an der Gruppe! Ich hörte noch, wie der Pacemaker meinte „Die holen wir alle wieder ein… geht auch gerade bergab hier.“ Andere Stimme: „Genau, da sind die Dicken schneller! …[kurze Pause]… Also, deswegen überholen wir euch ja gerade…“ Nun ja, wer sich hier nun auch immer angesprochen fühlen sollte… ich tat es, allerdings im ausschließlich positiven Sinne, so dass ich von nun an bei jedem Bergab-Überholvorgang grinsen musste und mir vorstellte, wie ich laut rief „Yiiiehhaa, bergab sind die Dicken schneller! Aus dem Weg!“

Ok, lassen wir das! Wahrscheinlich war ich mittlerweile wirklich „high“… 😉

Hier einmal meine Zwischenzeiten (mir ist gerade erst wieder eingefallen, dass ich diese ja während des Laufes gestoppt hatte):

10 km – 58:18 min
15 km – 1:24:54 Std.
20 km – 1:52:11 Std.

Prognose? Yiiieehhaaa!

Nach dem dritten Versorgungspunkt (etwa bei km 19, wenn ich mich recht entsinne), ging es auf ein langes, flaches Stück am Nord-Ostsee-Kanal entlang. Dort war es dann für mich leider auch so weit, dass das Laufen zunehmend schwerer wurde. Der schlimmste Teil der Strecke lag da allerdings noch vor mir: die Holtenauer Hochbrücke. Dort gab es noch einmal Bananen und Wasser/Tee, womit auch ich mich gerne versorgte und dann die Brücke hinauf zockelte. Aber: Wenn es rauf geht, geht es auch wieder runter, und ihr wisst ja – bergab… Also mit Schmackes die Brücke runter und noch so viel Schwung mitnehmen wie möglich, denn vor dem ersehnten Ziel gab es noch mal eine fies hügelige Strecke, die mir schon vor zwei Jahren auf der Kurzstrecke das Leben schwer gemacht hatte. Der Schwung hielt noch ein wenig an, aber auf den letzten ca. zwei Kilometern war ich dann doch eher so im „Scheißegal!“-Modus und lief mit einer Pace, die wohl eher gegen 5:30 – 5:45 min tendierte, gen Ziel.

Und wenn ich eins hasse, dann sind es diese blöden Ehrenrunden einmal über die komplette Bahn… ja, 800 m, da war er wieder, mein Bambini-Lauf. 😉 Na gut, den schaffe ich jetzt auch noch, auf zum Endspurt:

Konnte das nicht schon das Ziel gewesen sein?? NEIN, natürlich nicht…

Mein Motto war offensichtlich: Augen zu und durch!

Tja, und da stand ich nun… Nach 30 km und 2:48:32 Std. doch noch erstaunlich fit, aber trotzdem musste ich natürlich erst mal den Verpflegungsstand entern. Es gab ganze Bananen und BananenHÄLFTEN. Hälften sind ja wohl für Anfänger! 😉

Drei Bananen später war ich auch wieder aufnahmefähig: Der Mann, der natürlich schon seit Ewigkeiten im Ziel auf mich wartete, war mit seiner Zeit (1:28:01 Std. auf 16,5 km) nicht ganz so zufrieden, gemäß seinem Trainingsstand kann er es aber meiner Meinung nach durchaus sein. Meine vorsichtigen Rennprognosen kennt er offenbar nun auch sehr gut, denn er äußerte wohl in seiner Wartezeit folgende Ansicht: „Wenn sie sagt, sie will 3 Std. laufen, kommt sie mindestens bei 2:50 Std. rein.“ Jooaah, sehr viel Vertrauen in meine Fähigkeiten, der Mann! 🙂

Was habe ich nun aus diesem Lauf – insbesondere im Hinblick auf den Marathon in (noch nicht mal mehr) vier Wochen – mitgenommen?
Zuerst mal eine relative Sicherheit, dass Strecken, die über die Halbmarathon-Distanz hinausgehen, auch im Renntempo gut zu bewältigen sind. Wenn ich jetzt an den letzten oder auch den vorletzten Halbmarathon zurückdenke, muss ich sagen, dass mir diese 30 km nicht wirklich anstrengender vorkamen. Gut, es war etwas länger… aber dafür lief ich auch etwas langsamer, von daher war es gut machbar. Und wenn 30 km nur ein bisschen mehr sind als 21… dann sind 42 doch auch nur ein bisschen mehr als 30, oder? 😉

Was die Renntaktik angeht, zeigte sich – was nicht gerade überraschend ist -, dass es sich einfach auszahlt, wenn man es am Anfang ruhig angehen lässt. Ich hatte wirklich das Gefühl, dass ich durch die ersten langsamen Kilometer echt gut „reingekommen“ bin, auch wenn die Kraft am Ende dann doch ein wenig nachließ. Dementsprechend werde ich auch beim Marathon erst einmal locker loslaufen und dann schauen, wie es sich entwickelt. Unter 4:00 Std. ist definitiv immer noch mein erklärtes Ziel, aber wenn es nicht sein soll, werde ich auch nicht versuchen, etwas über’s Knie zu brechen.

In diesem Sinne: Der Marathon kann kommen!

Trainingsdokumentation
Projekt Marathon 2017, Lauf 36
Vorgabe: Pace mindestens 6:00 min/km, idealerweise MRT (= 5:40 min/km)
30,0 km
2:48:32 Std.
Pace: 5:37 min/km
Ø-HF: 164 bpm
Ergebnis: Gesamt 254/489, Gesamt Frauen 34/119, AK 7/14

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11 Kommentare

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  1. Robert / Mrz 29 2017 11:00

    Starke Leistung! Mein Glückwunsch!

  2. Sebastian / Mrz 29 2017 22:01

    Auch noch mal hier mein Glückwunsch zu der Super-Leistung. Für das 1. Mal auf der Distanz alles richtig gemacht. Und ja es lohnt sich immer, langsamer anzufangen und am Ende die einzuholen, die zu schnell los liefen 😉 das beflügelt noch mal auf den letzten Metern. Drück dir die Daumen für MA in HH – wenn du es wieder so machst, dann stehen die Chancen sehr gut dein Ziel zu erreichen.

    • Katja / Apr 6 2017 09:42

      Hallo!
      Entschuldige die späte Antwort, aber ich war… zu deprimiert zum Schreiben. 😦
      Danke fürs Lob, aber die gute Leistung kostet mich jetzt wahrscheinlich die Teilnahme in HH. Linker Fuß macht Probleme… Genaueres folgt heute ohnehin in einem Blogeintrag, daher spare ich mir das mal hier. Es ist zum K…en! Bin seit einer Woche nicht gelaufen und wie das mit Arztterminen ist, weiß man ja. Nun hab ich einen 3 Tage vorm Marathon, haha. 😦

      • Sebastian / Apr 6 2017 18:24

        Hallo Katja, das tut mir unendlich Leid und mir fehlen einfach die Worte. Kann gut verstehen, dass du noch nicht geantwortet hattest – wäre mit auch so gegangen und ich hatte mir auch schon fast gedacht, dass du erkrankt oder verletzt bist. Na ich schau mir dann mal deinen Blog-Eintrag an und kommentiere. Drück dir die Daumen und wünsche dir schnelle Genesung.

  3. Florian / Apr 3 2017 20:59

    Chapeau… Hallo aus Berlin. Deine Leistung ist echt super. Wenn ich an meinen letzten Halbmarathon zurückdenke und wie ich dort ins Ziel gekommen bin (mehr schlecht als recht), dann zieh ich vor jedem den Hut, der die volle Distanz angeht bzw. angehen möchte. Ich werde mich wohl oder übel erstmal mit den BananenHÄLFTEN zufrieden geben müssen 😀

    • Katja / Apr 6 2017 09:37

      Hej Florian!
      Vielen Dank für deinen netten Kommentar. Leider sind mir bzw. speziell meinem linken Fuß im Nachhinein die 30 km doch nicht so gut bekommen (ein entsprechender Bericht auf dem Blog folgt heute). 😦 Da muss ich wohl auch erst mal wieder beim Halbmarathon bleiben… aktuell wäre es schon schön, wenn ich überhaupt laufen könnte. Das hat man davon…
      Viele Grüße
      Katja

      • Florian / Apr 6 2017 09:41

        Moin Katja,

        das tut mir leid zu lesen. Wenn man selber mal verletzt war (oder ist) kann man das sehr gut nachvollziehen das es kräftig auf die Stimmung drückt wenn irgendwas passiert.

        Da bin ich mal gespannt auf deinen Bericht, habe dich gleich mal abonniert, damit ich es nicht verpeile 😉

        Dann wünsche ich dir eine gute Genesung. Hoffentlich kannst du schnell wieder auf die Strecke 👍

  4. trailbirdie / Apr 17 2017 07:10

    Super! Gratuliere zu dieser Spitzenleistung 😃 wenn du den Marathon auch so angehst wirst du überhaupt keine Probleme haben. Alles Gute dafür! LG

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